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Trierischerer Volksfreund
Kultur zwischen Kleiderstangen

Trier. (mew) Die neuesten Kollektionen zieren das helle Haus mit dem überdimensionalen Oberlicht. Doch heute gibt es dort Kultur. Auf Einladung der Kulturstiftung Trier, des Modehauses Marx und des katholischen Bürgervereins Trier eröffnen die FabuLyriker mit ihrem Programm "So groß war die Zeit noch nie" den Kulturladen.
Drei sind einer zuviel. An diesem Abend trifft dies: Normalerweise besteht das Ensemble aus
drei Personen. Da das Programm jedoch mit Anke Kramer und Gunnar Pietsch komplett ist,
verschlägt es Frauke Beling ins Publikum – als Beobachterin.
Nach FabuLyriker-Art äußern sie Politkritik, basierend auf einer Textcollage verschiedener
Autoren einer Epoche. Sie entführen mit Hilfe von Kästner, Kerr, Tucholsky oder Ringelnatz
ins Berlin der 20er- und Folgejahre. Szenisch erzählen die Sprecherzieher von den Wirren der
Weimarer Republik. Gunnar Pietsch intoniert Alfred Kerrs "Wer hat die schönsten Schäfchen"
und attestiert einer "gewissen Republik", dass diese garantiert "das tiefste Schläfchen" schläft.
Die Besucher beginnen zu schmunzeln. Kopfnicken bescheinigt den Akteuren, dass ihre
Zeitcollage ins Schwarze getroffen hat. Die gebürtig aus Hermeskeil stammende Marianne
Mohr erinnert sich: Sie erzählt vom Krieg, ihrem Landjahr bei Hannover, ihrem Arbeitsdienst
als Straßenbahnschaffnerin, dem Verlust ihres Verlobten und ihrer Rückkehr nach Trier: "Es
waren zwar schwere Zeiten, aber es war damals wirklich so, wie die beiden es zeigen",
bestätigt sie die mit Humor durchtränkte Lebensführung der Protagonisten Lydia und Peter.
Die Textpassagen bergen eine frappierende Aktualität. "Gut. Das ist der Pfennig – aber wo ist
die Mark", fragt sich Peter mit dem Gedankengerüst Kurt Tucholskys aus dessen Gedicht
"Bürgerliche Wohltätigkeit".
Erste emanzipatorische Züge setzten sich in Bewegung. Während sich Konservative wie
Parteien-Springer Anton noch fragen, wieso man den Frauen das Wahlrecht gewährt hat, ist
das Protagonisten-Paar fortschrittlicher. Peter appelliert an seine Lydia: "Lenke nur ein
Vielgespann – wie ein Mann"
. Sie bekräftigt: "Weil eine Frau ja alles kann – wie ein Mann."
Doch am Ende macht Tucholsky die vermeintliche Gleichberechtigung zunichte: "Du bleibst
noch im Himmelsblau eine Frau. Noch das stärkste Frauenzimmer hat’s in dieser Sache
schwer…."

Kunst und Wirtschaft zusammenbringen
Eine Haltung, die die beiden Schauspieler so gar nicht verkörpern. Pietsch und Kramer spielen
sich die Bälle auf der Bühne perfekt zu, harmonieren stimmlich wie auch in punkto
Körpersprache – Früchte harter Arbeit, unterstützt durch die seit Studienzeiten bestehende
Freundschaft.
Auch die Zuschauer kennen sich, sind sie doch Mitglieder des katholischen Bürgervereins
Trier. Dessen Präsident Theo Gimmel hat zusammen mit der ‚doppelten Chefin’ Karin
Kaltenkirchen (Modehaus Marx und City Initiative Trier) und Hiltrud Zock, Geschäftsführerin
des Marketing Clubs Trier den Start des Kulturladen-Konzeptes gewagt. "Es geht darum,
Kultur und Wirtschaft zusammenzubringen", sagt Zock, die Handwerkskammer-
Hauptgeschäftsführer Hans-Hermann Kocks liebevoll "Kulturengel" nennt. Ein weiteres Werk
dieses werbewirksamen Wesens ist bereits in der Mache: eine Trierer Kulturaktie.

26.06.2006                                                

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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